Historisch eine Einheit: Zullwil und "Schloss" Gilgenberg
BAZ 24.01.95 -Gemeinde des Montats, ein Bericht von Madlen Blösch
Zullwil ist nicht nur ein Durchgangsort auf der Fahrt vom Laufental nach
Nunningen. Etwas abseits der Kantonsstrasse zeigt sich dem Besucher des
kleinen Thiersteiner Gebirgsdorfes viel Natur. Für Wandervögel
ein Ausgangspunkt. Und für Burgenliebhaber bietet sich eine Besichtigung
der stolz über dem Dorf thronenden Burgruine Gilgenberg an.
Wildromantisch ist sie teilweise, die Umgebung von Zullwil. Die kahlen
Felsen der Portifluh und der Geissfluh bilden eine einzigartige Kulisse
für die Burgruine Gilgenberg, welche sich im Süden von Zullwil
erhebt. Etwas lieblicher zeigt sich im Norden des kleinen 625 Einwohner
zählenden Dorfes der Kirchberg. "Zubel", wie Zullwil im
Volksmund genannt wird, liegt eingebettet im Gilgenbergtal, an der Hauptverkehrsverbindung
von Laufen nach Liestal.
Die
Burg wurde zu Beginn des 14. Jahrhunderts von den Freiherren von Ramstein
erbaut; urkundlich wird Gilgenberg erstmals 1312 erwähnt. Die Entstehung
von Gilgenberg dürfte mit der Zerstörung von Schloss Ramstein
bei Bretzwil im Jahre 1303 durch Basler zusammenhängen. Der Name
"Gilgenberg" weist auf das Wappen der Ramsteiner hin, welches
aus zwei gekreuzten Lilien- (= Ilgen-)stäben besteht. Das Bild der
beiden Ilgen, von Zullwil als Gemeindewappen übernommen, symbolisiert
denn auch die besondere Verbundenheit mit dem Schloss.
Bereits 1356 wurde Gilgenberg durch das Erdbeben in Basel stark beschädigt.
Obwohl Rudolf von Ramstein das Schloss wieder aufbaute, zog er offenbar
immer mehr das in Zwingen gelegene Wasserschloss als Wohnsitz vor. Auf
Gilgenberg wurde ein Vogt eingesetzt, um die zur Herrschaft gehörenden
Dörfer Zullwil, Meltingen, Nunningen sowie die Höfe von Fehren
und Roderis zu verwalten. Nach dem Tode Rudolfs von Ramstein im Jahre
1459 erhielt sein unehelicher Sohn Hans Bernhard das Schloss. Er, der
den Namen der Ramsteiner nicht tragen durfte, wurde zum ersten "Ritter
von Gilgenberg". Er schloss sich Solothurn an. 1474 fiel er bei Neuss
im Dienste Karl des Kühnen. In der Folge besetzte Solothurn das Schloss.
Sein Sohn Hans Imer trat nun das Erbe an und verkaufte im Jahre 1527 die
ganze Herrschaft für 5900 Gulden an Solothurn. An ihn erinnern noch
heute eine Wappentafel am Eingang der Kirche von Oberkirch sowie die prachtigen
Stifterscheiben in der Wallfahrtskirche von Meltingen.
Bis 1798 unter dem Szepter von Solothurn
Von 1527 bis 1798 herrschten solothurnische Landvögte auf Gilgenberg.
Als erster Vogt amtete Ulrich Küfer. Brenzlig wurde es 1635, als
die Schweden auf ihrem Raubzug bis nach Breitenbach (Schwedenschanze erinnert
daran) und ins Roderis drangen. Die damals vom amtierenden Vogt zusammengezogene
Armee musste glücklicherweise nie eingreifen.
Im Jahre 1798, beim Einfall der Franzosen, wurde Gilgenberg praktisch
zerstört, indem die Einheimischen das Schloss in Brand steckten.
Als zerfallene Ruine kam die Burg 1801 zum Preise von 15'008 Franken in
neue Hände. Im mit 30. April 1801 datierenden Kaufvertrag werden
die neuen Eigentümer genannt:Jakob Studer von Härkingen, Leon
Eder von Stans und Josef Arb, damaliger Dornecker Gerichtsschreiber.
35 Jahre später, 1836, gelangte die Gemeinde Zullwil in den Besitz
des Grundstücks, "das die Schlossruine Gilgenberg trägt".
Aus dem Bericht der Altertümerkommision 1932 geht hervor, dass die
Burgruine auf Kosten des Staates für rund 30'000 Franken renoviert
wurde. Und am 15. November 1935 wurde die Ruine unter kantonalen Denkmalschutz
gestellt.
Stiftung wird neue Eigentümerin
1941 ging die Ruine als Geschenk der Gemeinde Zullwil an die Stiftung
"Schloss Gilgenberg" über, welche am 5. April offiziell
gegründet wurde. Mitglieder des Stiftungsrates waren unter anderem
die beiden Regierungsräte Oskar Stampfli (Solothurn) und Otto Stampfli
(Biberist). Als Geschäftsführer fungierte ein gewisser Albin
Fringeli aus Nunningen. Nachdem die Ruine immer mehr zerfiel, wurde 1962
ein erstes Schloss- und Heimatfest durchgeführt. Höhepunkt,
und von vielen Einheimischen mit Begeisterung beschrieben, war der historische
Festzug ab Meltingerbrücke zum Schloss Gilgenberg - wie es eben im
Volksmund genannt wird, auch wenn bloss noch die meterdicken Mauern stehen.
18 Jahre später erfolgte eine umfassende Restaurierung und Konservierung
der Ruine, welche dank einer Aktion des Kantonalen Baumeisterverbandes
möglich wurde. Maurerlehrlinge aus dem ganzen Kanton halfen tatkräftig
mit; auch Bund und Kanton unterstützten die Restaurierung mit ansehnlichen
Beiträgen. Eingeweiht wurde die Ruine anlässlich der 500-Jahr-Feier
Eidg. Stand Solothurn am 23. August 1981. An diesem "Gilgenbergfest"
nahm auch Bundesrat Willi Ritschard teil.
Gilgenberg und Zullwil - sie sind untrennbar miteinander verknüpft.
Es gäbe noch viel mehr über diese Gemeinde zu berichten. Über
eine mehr als hundertjährige Industrie beispielsweise. Denn bereits
im letzten Jahrhundert liess sich die Basler Seidenfabrik Sarasin hier
nieder. Zur gleichen Zeit stand auch das Drechslergewerbe in Blüte.
Und in vielen Wohnstuben stand wohl auch ein Webstuhl. Dies alles gehört
der Vergangenheit an. So auch die Herstellung von Bürsten; der "Bürsten-Gasser"
war in der Gegend ein Begriff. Als grösserer Arbeitgeber existiert
heute nur noch die Stesalit AG. Diese Kunststoff verarbeitende Firma hat
sich mit aussergewöhnlichem Know-how einen Namen in der Fachwelt
(Flugzeugindustrie, Kernenergie) geschaffen.
Stiftungsrat
Schloss Gilgenberg
Aus der Geschichte des Schlosses Gilgenberg
Gründungsjahr: Ende des 13. oder anfangs des 14. Jahrhunderts.
Erstmals genannt: 1312 Gilienberc, 1315 Gilgenperg, 1472 Liliimona.
Freiherr Thüring von Ramstein, erstmals als Herr von Gilgenberg
urkundlich bezeugt. Gründung der Freien von Ramstein.
Das Schloss Ramstein (bei Bretzwil) wurde 1303 durch die Basler zerstört.
Gebaut wurde die Burg um das Jahr 1150 durch Herren von Brislach, ursprünglich
zähringischen Dienstleuten. Während des Kampfes Heinrichs VII
gegen seinen Vater Friedrich II von Hohenstaufen, wurden die Ramsteiner
in den Freiherrenstand erhoben. Gründen Gilgenberg. Besitzer des
Wasserschlosses Zwingen. Zwei Linien. Die Bastarde nennen sich Gilgenberg
(Gilgen=Lilien). Habsburgfreundlich eingestellt. Der letzte Freiherr von
Gilgenberg, Rudolf (1407-1459) hinterlässt 3 Töchter. Die eine
ist Frau des Thomas von Falkenstein.Rudolfs unehelicher Sohn Hans Bernhard
ist der Vater von Hans Imer: Ratsherr in Basel Bürgermeister in Basel
1496 und 1498. Im Schwabenkrieg als Freund des deutschen Kaisers verdächtigt
(Pfefferhans). Königlicher Vogt in Ensisheim. Nach dem Schwabenkrieg
im Dienste Maximilisans. 1519 stiftet er die Glasgemälde von Meltingen
(Kirche). Tod von Hans Imer 23.6.1533.
Die Solothurner unternahmen mehrmals Versuche, das Schloss zu kaufen,
was ihnen gemäss Kaufabschluss vom 5.10.1527 nicht gelang. Es gehören
zum Schloss: Nunningen, Zullwil, Meltingen, mit hohen und niederen Gerichten.
Stock und Galgen, Holz und Feld, Hagen und Jagen, Kirchensatz Meltingen,
Hilarikapelle Reigoldswil. Berg Kastel usw. Kaufpreis: 5900 Gulden. Dazu
gehören auch der "Hoff im Rotteris" und der "Hoff
in Ferren". Erster solothurnischer Vogt: Ulrich Küffer.
Basel machte aber noch lange Anspruch auf die hohe Gerichtsbarkeit in
der Vogtei Gilgenberg. Endgültige Bereinigung erst 1685: Basel tauscht
seine Rechte in Nunningen gegen die solothurnischen Rechte in Oltigen
ein. 1546 Bau des Schlossweges. Strategisch sehr gute Anlage, der weite
Weg zum Schloss konnte unter Feuer genommen werden. 1594 neues Dach, Hühnerhaus
und Fallbrücke und ein "schittstein". 1630 ist der Ofen
im hinteren Zimmer eingefallen.
Während des 30-jährigen Krieges wird die Mühle in der
Enge ausgeplündert. 1635 klagt der Vogt der Obrigkeit, er habe im
Schloss bloss eine halbe Tonne Pulverf und Blei nicht zu einer Kugel.
An Waffen besitzt er ein Dutentz Musketen, Spiess und Wehr, die der Reinigung
bedürfen.
Nachdem der Roderis von den schwedischen Truppen zum zweiten Mal überfallen
worden war, wurde eine Gilgenberger-Armee gebildet. Sie bestand aus: drei
Rotten Musketieren (64 Mann), zu jeder Rotte kamen noch je 10 Spiesse
und 2 Hallebarden, also 100 Mann. Dazu kam noch die "Militärmusik":
4 "Drummenschlager und ein Pfyffer".
Daten rund um Gilgenberg:
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1665
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Anschaffung einer Schlaguhr
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1666/67
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neue Fallbrücke
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1672
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neuer Dachstuhl
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1678/79
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grössere Fenster
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1798
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Am 1. März durch das Landvolk verbrannt
10. Oktober: Das Schloss ist dem Direktorium zu überlassen,
wie Dorneck und Thierstein
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1800
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25. Oktober: Beschluss des gesetzgebenden Rates: Schlossgut und
Schlossdomäne sollen versteigert werden.
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1801
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Am 30.4.: Bestätigung des Verkaufs an die Gemeinde Zullwil
für Fr. 15'008.-
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1930
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Renovation auf Kosten des Staates( Bauunternehmen Ernst Stebler,
Zullwil).
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1935
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Die Ruine wird unter Kantonales Denkmalschutz gestellt.
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1941
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Die Gemeinde Zullwil schenkt die Ruine der Stiftung "Schloss
Gilgenberg" mit Sitz in Zullwil. Diese ist für die Erhaltung
der Ruine verantwortlich. Die an die Stiftung abgetretene Fläche
beträgt: 56 Aren und 80 m2 (Grundbuch Nr. 764)
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1980
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Restaurierung: Die Arbeiten wurden von den Mauerlehrlingen des
Kantonalen Baumeisterverbandes "BVS" unter der Leitung
von Ernst Bitterli, Erlinsbach, ausgeführt. Baufirma Meier
+ Jäggi AG, Breitenbach.
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Die Ruine wird unter den Schutz der Eidgenossenschaft gestellt.
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Einweihung anlässlich des Gilgenbergfestes "500 Jahre
Eidg. Stand Solothurn " 21.-23.08. Festrede gehalten von Willy
Ritschard, Bundesrat.
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28.3.84
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Die Ruine ist ein Baudenkmal von regionaler Bedeutung (Schreiben
vom Eidg. Dep. des Innern)
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29./30.06.01
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Schlossfest
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